QueerNet Rheinland-Pfalz tagte in Kaiserslautern

Umfangreiche Agenda und viel Einigkeit unter den Delegierten

Am vergangenen Samstag trafen sich Delegierte von 20 Mitgliedsorganisationen zum halbjährlichen Netzwerktreffen von QueerNet Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern. Im Fokus stand hierbei einmal mehr die aktuelle politische Situation in Rheinland-Pfalz, die eine eigene Standortbestimmung unabdingbar macht. Verbunden damit, die Suche nach einem erfolgreicheren Weg für die künftige gemeinsame Arbeit. Thematisiert wurde auch der kritische Blick auf die bisherige Arbeit der Landesantidiskriminierungsstelle (LADS) und der noch immer nicht hinreichend gewürdigten Interessen der LGBTI-Community.

Hereinspaziert! Die Regenbogentreppe im Pariser Hof (Foto: Queer Devils)

Nicht alle Punkte der umfassenden Agenda gaben Anlass zur Freude. Dazu zählt vor allem die unverändert schwierige Situation, zu der seit der letzten Landtagswahl veränderten Arbeitsschwerpunkte, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Nicht alles läuft hier in einer für die LSBTI-Interessen zufriedenstellenden Form. Dazu gehören die Themen Öffentlichkeitsarbeit oder die gemeinsamen Aktivitäten rund um die historische Aufarbeitung der Lebenssituation von Schwulen und Lesben in Rheinland-Pfalz. Auch fehlt von Seiten der Landesregierung immer noch die Bereitschaft, den gemeinsam beschlossenen Aktionsplan für die Zeit bis zum Ende der Legislatur im Jahr 2021 zu aktualisieren oder ein eindeutiges Signal für die dringend notwendige Erweiterung des Projektes Familienvielfalt.

Eine prall gefüllte Agenda wartete auf die Teilnehmer (Foto: Queer Devils)

Ein Ergebnis der Diskussionen vom vergangenen Samstag, ein fünfköpfiges Gremium wird die aktuelle Situation umfassend analysieren und bis zum Frühjahr Strategien ausarbeiten, wie mit den veränderten Rahmenbedingungen umgegangen werden kann. Dahinter steht die erklärte Absicht, den eigenen Zielen, Forderungen und Vorstellungen rund um alle LSBTI-Interessen auf Landesebene durch eine klarere Haltung mehr Gewicht und vor allem Aussicht auf erfolgreiche Durchsetzung zu verleihen.

Anlass für Kritik und längere Diskussionen lieferte auch die Arbeit der seit 2013 bestehenden Landesantidiskriminierungsstelle. Bis heute wurde dort auf die Forderungen nicht eingegangen das „Merkmal“ sexuelle Identität als Diskriminierungserfahrung in die Öffentlichkeitsarbeit sichtbarer aufzunehmen. Obwohl hier mehrfach Besserung in Aussicht gestellt wurde. Seit mehr als drei Jahren. Für die Delegierten ein nicht mehr hinnehmbarer Umstand, gegen den sie sich mit großer Mehrheit aussprachen.

Bis auf den letzten Platz gefüllt (Foto: Queer Devils)

Zum Rückblick auf die Arbeit der letzten Monate gehörte ein umfassender Einblick in die landesweit erbrachten Beratungsleistungen, die aktuelle Situation in neuen und bestehenden Jugendgruppen, die Initiativen für älter Schwule, die steigende Nachfrage und die erfolgreiche Umsetzung der landesweiten Initiative SchLAu Rheinland-Pfalz oder die steigende Nachfrage an Unterstützung rund um das Thema Trans*. Außerdem ging der Vorstand im Rückblick noch einmal auf die großartige Präsenz beim Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Mainz ein, wo über das Projekt Vielfaltland über 20.000 regenbogenbunte Postkarten unter den Besuchern des Festtages in Mainz verteilt werden konnten!

Am Ende des Tages waren sich alle Anwesenden einig, dass der Tagungsverlauf durch ein hohes Maß an konstruktiver, engagierter und interessierter Mitarbeit in einem Klima eines höchst respektvollen Umgangs miteinander bestochen hatte. Auch diese Form von Einigkeit ist ein Zeichen wachsender Stärke um in einem Flächenbundesland ein so facettenreiches Themenfeld erfolgreich nach vorne zu bringen.

mg