Lange Geschichte, gleichbleibendes Ergebnis: lesbische und bisexuelle Frauen* sind kaum sichtbar in der Gesellschaft. Wenn von „Frauen“ oder von „Homosexuellen“ gesprochen wird, sollen sich lesbisch und bisexuell lebende Frauen mitgemeint fühlen – sind es aber oft nicht. Das Netzwerk will das ändern: Wir wollen sichtbar werden!

   

Das Netzwerk für LesBische Sichtbarkeit RLP ist offen für alle Frauen* in Rheinland-Pfalz, die lesbisch oder bisexuell leben. Ziel unseres Netzwerkes ist es, gemeinsam Ziele und Interessen zu definieren, welche vor allem auf politischer Ebene kommuniziert werden sollen. Dafür suchen wir den Kontakt mit allen, die Lust haben sich zu engagieren und auszutauschen.

·         Was brauchen wir, um als Frauen*paare gut leben zu können?

·         Was wollen wir von der Politik?

Du bist willkommen – egal ob du an der Mosel, der Weinstraße oder woanders in Rheinland-Pfalz lebst. Egal ob du Mutter bist, ob du offen lebst oder nicht, egal wie lange du schon Frauen liebst. Sei dabei!

         

 

Warum setzen wir uns für lesBische Sichtbarkeit ein?

Dazu schreibt C., 34 Jahre, im September 2021:

Marie kann lesen.

Anna liebt Schachspielen.

Miriam geht gern Klettern.

Cindy studiert Jura.

Lena macht den Führerschein.

Caro lernt Schreiben.

Linda ist Politikerin.

Natalie eröffnet ein Restaurant.

Sabine wird Mutter. Und lebt lesbisch.

Nichts Besonderes? Doch! Jede der Frauen ist sichtbar und damit Vorbild für Andere. Ohne Vorbilder kein Fortkommen, kein Wachsen, keine Veränderung. LesBisches Leben ist genauso “normal” wie Autofahren, Lesen und Schreiben können … und alles andere, was zu Selbstbestimmtheit dazugehört.

PRO LesBische Sichtbarkeit!

R. schreibt:

Mit jeweils einer Rose in der Hand standen wir, das gesamte Frauenfußballteam, Spalier. Wir trugen unsere Trikots und warteten auf die zwei frisch Getrauten. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Ich war 15 Jahre alt, und für mich war es die erste Hochzeit überhaupt. 

Endlich kamen die zwei. Sie trugen beide eine schöne Bluse und eine schicke Hose. Die eine hell, die andere dunkel. Mit Tränen in den Augen strahlten sie uns an. Emotional berührt und von Scham erfasst schaute ich mich um. Glücklicherweise war niemand zu sehen, der oder die mich sehen könnte. Über diesen Gedanken war ich verwundert. In der Tür des Standesamtes sah ich die Politikerin Theresia Riedmaier. Es schien, als würde sie lächeln. Ich frage mich, ob sie es o.k. findet, was wir hier tun.

Zielstrebig ging sie auf die zwei verheirateten Frauen zu. Später erfuhr ich, dass sie explizit wegen der Hochzeit gekommen war. Wie krass, hörte ich mich denken. Mein Herz hüpfte vor Freude. Augenscheinlich fand sie es nicht nur o.k. Sie wollte sogar Teil dieses historischen Momentes sein.  Frau Riedmaier wollte die erste Eintragung eines geschlechtergeschichtlichen Paares in ihrem Landkreis nicht verpassen.

Ich fühlte mich großartig.

Wir waren zuvor nie sichtbarer als in diesem Sommer 2001. 

Ich begriff: WIR DÜRFEN!

S., 34 Jahre, schreibt:

Zwei Frauen küssen sich – Schock! Welterschütterung!

Als ich mit 25 zum Studieren nach Schweden zog, hatte ich zuvor nie Berührungspunkte zur queeren Community gehabt. Sie war überhaupt nicht Bestandteil meiner Welt. Als eine – vermeintlich heterosexuelle – Freundin eine Frau küsste, hat mich das wirklich erschüttert. Wie konnte das sein? Es passte nicht in mein Weltbild.

Heute weiß ich, dass es mit meiner eigenen Selbstverleumdung zu tun hatte. Ich hatte gelernt, dass es nur eine heteronormative Welt gibt – alles andere sei abnormal. Der Mangel an lesBischen Vorbildern – sowohl in Politik & Medien als auch das Nicht-Vorhandensein von Lesben in meiner Umwelt – führten dazu, dass ich meine Homosexualität weder vor mir noch vor anderen eingestehen konnte & wollte.

Die absolut entspannte Reaktion meiner anderen Freunde in Schweden („It’s okay, it’s totally normal“) hat mir aber gezeigt, dass es völlig normal ist, als Frau Frauen zu lieben. Dadurch konnte ich mich erstmals selbst damit auseinandersetzen.
Es hat zwar noch ein paar Jahre gedauert, bis ich meine erste lesbische Beziehung hatte & damit auch mein Coming-out. Aber ohne diesen Moment in Schweden, der meine Welt ganz positiv auf den Kopf gestellt hat, wäre ich heute nicht so glücklich mit meiner Frau.

Wir brauchen lesBische Sichtbarkeit dafür, dass wir in der Gesellschaft wahrgenommen werden & unsere Lebensweise nichts „Besonderes“ mehr ist – so dass keine Frau sich & ihre Gefühle mehr verleugnen muss.

K., 57 Jahre, schreibt:

Das Unrecht, das sie erlitten hatte, galt nicht ihr persönlich. Es traf sie auch nicht etwa deshalb, weil sie versagt hätte.

Im Gespräch am Küchentisch wurde ihr deutlich, dass sehr viele Mütter davon betroffen waren. Mit persönlichem Versagen hatte das nichts zu tun. Ich konnte spüren, wie sich Erleichterung bei ihr ausbreitete.

Dieser Moment hat mich sehr berührt. Alle Mütter, die auf ihre Kinder verzichten mussten, nur weil sie lesbisch liebten, sollen das erfahren: Das war nicht gegen sie persönlich. Sondern Diskriminierung.

Weitere Texte zu diesem Thema aus unserer Schreibwerkstatt vom Herbst 2021 folgen.

 

Und hier eine kurze Momentaufnahme zum Tag der lesbischen Sichtbarkeit 2021

 

 

Kontakt:

Laura Theobald

E-Mail: LesBi@queernet-rlp.de

Netzwerk für LesBische Sichtbarkeit bei Facebook

LesBische Sichtbarkeit RLP bei Instagram 

Die Fotos, die oben zu sehen sind, entstanden beim CSD Koblenz im Sommer 2020.